“Was heißt Windel auf türkisch? Güllehülle”
Dieser Witz widerspiegelt nur bedingt die Wahrheit. Zum einen hat das Wort “kundak” die Bedeutung der Windel im Türkischen. Zum anderen gibt es aber in der Tat die Wortgruppe “Güle güle.”, die teilweise zur Verabschiedung genutzt wird.
In diesem Eintrag möchte ich einfach mal der Frage im Titel nachgehen und ein paar Gründe auflisten die mir aufgefallen sind. Dabei habe ich auch gleich die Gelegenheit ein paar Einblicke in die türkische Grammatik zu bieten.
Lustige Wörter die einem relativ schnell auffallen sind “kültür”, “süper” oder “müzik”, die wohl jeder Deutsche auf anhieb übersetzen könnte. Der Ursprung dieser “ü”s und viele weiterer ist allerdings auf den großen Einfluss des Franzsösischen auf die türkische Sprache zurückzuführen. Fast fünf prozent der türkischen Wörter sind nämlich Lehnwörter aus Französischen, was ein drittel aller Lehnwörter ausmacht und nur noch knapp von dem Arabischen übertroffen wird.
Ein weiterer Grund dafür, dass man sich von “ü”s überschwemmt fühlt, ist, dass sie meistens gleich im ganzen Rudel aufzutreten scheinen. Dies liegt an der sogenannten Vokalharmonie, die sich durch die türkische Grammatik zieht. Die meisten Endungen sind zwar generell sehr regelmäßig, doch bis auf eine Auswahl aus Vokalen nicht ganz eindeutig bestimmt. So ist die Possesivendung der dritten Person zum Beispiel -ı, -i, -u oder -ü, also “i”s und “u”s mit und ohne Punkte, je nachdem welcher Vokal zuletzt im Wort vorkam. Also ist “kitabı” sein Buch oder “gülü” seine Rose. Falls der letzt vorgekommene Vokal nun ein “ö” oder “ü” war, kommt wieder ein “ü”. Genauso funktioniert das mit einer ähnlichen Form wie das deutsche -lich. Nämlich machen die Endungen -lı, -li, -lu und -lü ein Substantiv zu einem Adjektiv. Zum Beispiel wird aus dem Haus “ev” verheiratet “evli” oder “balkon” die Beschreiben “balkonlu”, dass etwas (z.B. ein Zimmer) mit Balkon ist. Ich will auch noch die Endung -lık und -ı die jeweils auch in den vier Formen vorkommen erwähnen. Ersteres beschreibt eine Verallgemeinerung der eigentlichen Sache. Ein Direktor “müdür” sitzt im Direktoriat oder Sekreteriat “müdürlük”, das Buch “kitap” steht im Bücherregal “kitaplık” und der Reisende “yolcu” begibt sich auf eine Reise “yolculuk”. Das zweitere zunächst doppeldeutig erscheinende aber in der Regel gut auseinanderhaltbare -ı gibt eine Akkusativendung wider. Schauen wir uns also mal das Wort “gönül” (Herz) an. Dies zu einem Adjektiv “gönüllü” gemacht ergibt eine Art “herzlich”, was aber tatsächlich eher mit “bescheiden” oder “demütig” übersetzt. Weiter kommt man auf die Demut “gönüllülük” und dann auch auf seine Demut “gönüllülüğü”, die in dem Satz “Ich schätze seine Demut.” noch zum Akkusativ gebeugt wird und man schlussendlich bei dem 5-”ü”igen Wort “gönüllülüğünü” landet. Auch der Türke gerät hier ins schleudern und wird die letzten 3 “ü”s wohl eher in eins umwandeln und durch das Nuscheln auch diesen noch vertuschen.
Zuletzt summieren sich beide Gründe natürlich noch. Vor allem, da es auch viele mit “ö” endene Wörter im Französischen gibt, die gerne übernommen wurden, um mit “kuaför” und “asansör” nur zwei zu nennen.